Klassiker to go

Von "15-Minuten-Ruhm" schwärmte Andy Warhol. "10-Minuten-Essays" schrieb Hans Magnus Enzensberger. Und von Maggi stammt die "5-Minuten-Terrine".

Da geht noch was, haben wir uns gedacht, und die "Weltliteratur in drei Sätzen" für den eiligen Leser erfunden.



Der große Gatsby (F. Scott Fitzgerald)

 

1. Anfang der 1920er Jahre zieht Nick nach Long Island; nebenan in einem mondänen Palast, residiert der Millionär Gatsby, der gerne Drinks rührt und schüttelt und viele rauschende Partys für die New Yorker Gesellschaft gibt.

 

2. Gatsby wäre gerne wieder mit seiner Jugendliebe Daisy zusammen, die inzwischen aber mit Tom verheiratet ist und eine Tochter hat - Tom wiederum hat eine Daueraffäre mit Myrtle, der Frau eines Tankstellenbesitzers.

 

3. Nach einem Eifersuchtsstreit zwischen Tom und Gatsby wird Myrtle von Daisy überfahren, woraufhin der Tankstellenbesitzer jedoch Gatsby und dann sich selbst umbringt.

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Mord im Orient-Express (Agatha Christie)

 

1. Im Jahre 1935 reist der stets akkurat gekleidete belgische Meisterdetektiv mit dem gezwirbelten Schnauzer, Hercule Poirot, von Istanbul nach London mit dem berühmten Orient-Express und muss auf der Fahrt prompt einen Mord aufklären, als der Geschäftsmann Samuel Edward Ratchett mit zwölf Messerstichen getötet wird.

 

2. Der Zug gerät in einen Sturm und bleibt im Schnee stecken, so dass niemand den Zug erreichen oder verlassen kann, weshalb Poirot - statt die örtliche Polizei - die Ermittlungen selbst aufnimmt und herausfindet, dass alle übrigen Fahrgäste unter einer Decke stecken.

 

3. Der Ermordete war in Wahrheit ein gesuchter Verbrecher, der fünf Jahre zuvor das Mädchen Daisy Armstrong ermordet hatte und nun einer kollektiven Rache zum Opfer gefallen ist, denn die Mitreisenden waren entweder im Hause Armstrong angestellt oder nahe Verwandte bzw. Freunde der Familie, weshalb der mitfühlende Poirot der Polizei erzählt, dass ein ominöser Fremder den Mord begangen hat.

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Odyssee (Homer)

 

1. Nachdem König Odysseus die Trojaner besiegt hatte, begibt er sich mit seinen Gefährten per Schiff auf die Heimreise nach Ithaka, die zu einer langen Irrfahrt wird, nicht nur, weil kein Navi an Bord ist, sondern weil Riesen, Nymphen, Zauberer und andere Götter und Halbgötter ihnen ständig in die Quere kommen.

 

2. Während seines Inselhoppings im Mittelmeer, das menschenverschlingende Seeungeheuer bewohnen, macht er unter anderem einen Boxenstopp im Hades und lässt sich, kaum ist er wieder an Bord, am Schiffsmast festbinden, um dem todbringenden Gesang der Sirenen zu entkommen.

 

3. Am Ende der in Hexameterversen verfassten Odyssee metzelt Odysseus die Männer nieder, die seine Frau Penelope belagert haben - antiker Urstoff, der viele Autoren bis heute inspiriert.

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Die drei Musketiere (Alexandre Dumas)

 

1. Im spätfeudalen Frankreich und England angesiedelter Mantel- und Degen-Roman, bei dem die königstreuen Musketiere Athos, Porthos und Aramis zu Pferd und zu Schiff mit aufwändig bestickten Paradeuniformen und Plumage am Soldatenschlapphut gegen die Leibgarde des skrupellosen Kardinal Richelieu kämpfen - begleitet vom edelmütigen Soldaten d'Artagnan, der Musketier werden möchte.

 

2. Viele Liebesaffären, Duelle, Mordkomplotte, Geiselnahmen, Fluchtversuche, Gefängnisaufenthalte, Spionaufträge und Juwelenraube später wird d'Artagnan zum Musketier ernannt.

 

3. Nach weiteren episodenhaften Turbulenzen endet dieser erste Teil des als Trilogie angelegten historischen Abenteuerromans mit einer spektakulären Hinrichtung - in Erinnerung aber bleibt vor allem der Musketier-Wahlspruch "Einer für alle, alle für einen" bzw. "Un pour tous, tous pour un" bzw. "Unus pro omnibus, omnes pro uno". 

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David Copperfield (Charles Dickens)

 

1. Der kleine David wird vom tyrannischen Stiefvater Mr. Murdstone ins Internat geschickt, wo er in die Fänge des brutalen Schulmeisters Creakle gerät; gleichwohl findet er in Salem House Freunde fürs Leben: den romantisch-aristokratischen James Steerforth und Tommy Traddlers, eine unverwüstliche Frohnatur.

 

2. Nach dem Tod seiner Mutter und einem Intermezzo als Fabrikarbeiter flieht er zu seiner exzentrischen Tante Betsey Trotwood nach Dover, die ihm eine Lehre in einem Anwaltsbüro vermittelt und wo er im Londoner Großstadtlärm den schrullig-sympathischen Mr. Micawber und den Schurken Uriah Heep - bitte nicht verwechseln mit der gleichnamigen britischen Hardrockband! - kennenlernt.

 

3. David, inzwischen verheiratet und als Schriftsteller tätig, erkennt nach weiteren Schicksalsschlägen, die Parallelen zur Biografie des Autors aufweisen, seine wahre Liebe zu seiner Jugendfreundin Agnes Wickfield, an deren Seite er zum glücklichen, beruflich erfolgreichen Mann heranreift - ein klassischer Bildungsroman mit Happy End.

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Stolz und Vorurteil (Jane Austen)

 

1. Familie Bennet, wohnhaft in England im 19. Jahrhundert, will ihre fünf Töchter erfolgreich verheiraten.

 

2. Jane Bennet verliebt sich in Mr. Bingley, Mr. Bingley verliebt sich in Jane Bennet, Mr. Darcy verliebt sich in Elizabeth Bennet, Elizabeth Bennet verliebt sich in Mr. Wickham, Mr. Collins möchte seine Cousine Elizabeth Bennet heiraten und die jüngste Tochter Lydia Bennet brennt mit Mr. Wickham durch - ein Skandal!

 

3. Nachdem viele Vorurteile ausgeräumt und viele Reisen unternommen wurden, heiraten schließlich Mr. Bingley und Jane Bennet, Elizabeth Bennet und Mr. Darcy, Mr. Collins und Charlotte Lucas, Lydia Bennet und Mr. Wickham - kollektives Happy End!

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Moby Dick (Herman Melville)

 

1. Der Ich-Erzähler Ismael erlebt als Seefahrer eine Abenteuerreise - sie beginnt auf der amerikanischen Insel Nantucket, wo er mit dem Insulaner Queequeg Blutsbrüderschaft schließt und die beiden auf dem Walfängerschiff Pequod anheuern.

 

2. Auf offenem Meer enthüllt der einbeinige, gottlose und von Rache getriebene Kapitän Ahab seine eigentliche Mission: Er will den weißen Wal Moby Dick töten.

 

3. Nach einer wilden Jagd über die Ozeane, bei der die Schiffsmannschaft einen multikulturellen Querschnitt der Weltbevölkerung symbolisiert, versenkt Moby Dick das Schiff, nur der nachdenklich-melancholische Sinnsucher Ismael überlebt und grübelt weiter.

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Die Leiden des jungen Werther

(Johann Wolfgang von Goethe)

 

1. Der unglückliche Werther zieht in das Dorf Wahlheim, wo er sich in die flotte Lotte verliebt, die aber den langweiligen Albert heiraten will, weil sie das ihrer Mutter am Sterbebett versprochen hat.

 

2. Der abgeblitzte Werther zieht weg, kann die Angebetete aber nicht vergessen, weshalb er zurückkehrt und die nun verheiratete Lotte wieder trifft, die heftig mit ihm zu flirten anfängt.

 

3. Lotte bereut ihr Fremdflirten und will ihn nicht wieder treffen, woraufhin der erneut abgeblitzte Werther ihr einen Abschiedsbrief schreibt, sich eine Pistole besorgt und sich mit einem lauten PENG erschießt.

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Romeo und Julia (William Shakespeare)

 

1. Romeo und Julia aus Mantua verlieben sich ineinander, dürfen aber nicht zusammen sein, weil ihre Familien sich bis aufs Blut bekämpfen.

 

2. Sie wollen fliehen und deshalb täuscht Julia ihren Tod mit einem Schlaftrunk vor. 

 

3. Aufgrund eines Missverständnisses glaubt Romeo, dass Julia sich aus Kummer umgebracht hat, daraufhin ersticht er sich mit einem Dolch, mit dem sich Julia, als sie aus ihrem Schlaf erwacht und Romeo tot neben sich liegen sieht, ebenfalls ersticht. 

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Der Herr der Ringe (J.R.R. Tolkien)

 

1. Der Hobbit Frodo aus dem Auenland erbt von seinem Onkel einen Zauberring, hinter dem der dunkle Fürst Sauron her ist, weshalb Frodo den Auftrag erhält, den Ring zu zerstören.

 

2. Die Vernichtung des Rings ist nur im Land Mordor möglich, daher macht sich Frodo mit acht Gefährten auf den Weg, der sie über das Nebelgebirge, durch die Zwergenminen von Moria und das Elbenreich Lórien führt, immer verfolgt von den Orks, Saurons Kriegern.

 

3. Schließlich erreicht Frodo mit seinem treuesten Gefährten Sam den Schicksalsberg in Mordor, in dessen Feuer der Ring vernichtet wird und damit die Schreckensherrschaft von Sauron beendet ist, weshalb die Gefährten wieder in ihre Heimat zurückkehren können.

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