Fluchen für Fortgeschrittene (Archiv)





Kuttenbrunzer, der

Niemand sollte aufgrund seiner Berufskleidung dumm von der Seite angequatscht werden müssen, weiße Kittel tragende Ärzte nicht, blaue Latzhosen tragende Handwerker nicht, und sackförmige Kutten tragende Mönche schon gleich gar nicht. Die Kutte hat in säkularisierten Ländern viel von ihrer modischen Leuchtkraft eingebüßt, selbst populäre Filmfiguren wie der schlagkräftige Don Camillo und feucht-fröhliche Karnevalsumzüge, wo die Kutte als Karnevalskostüm weiterlebt, konnten diesen Trend nicht aufhalten. Kuttenbrunzer ist ein vor allem im bayerischen Herrgottswinkel gebrauchter Ausdruck für Dorfpfarrer und Klosterbruder. Zuweilen werden auch Juristen, die einen Talar tragen, so tituliert. "Brunzen" stammt vom mittelhochdeutschen "brunnezen", das sich von "brunnen" ableitet und "einen Brunnen machen" bedeutet. Heute ist es ein Synonym für urinieren. Vergleiche auch "Hosenbrunzer".


Dumpfbacke, die

Neudeutsch für "Taugenichts", "Tölpel". Populär geworden durch den Film "Zur Sache, Schätzchen" und die US-amerikanische Fernsehserie "Eine schrecklich nette Familie". Verwandt mit der "Schweinebacke" und der "Schnullerbacke". Zuletzt öffentlich benutzt von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, zur Schmähung des politischen Gegners. Die Kurzform von Dumpfbacke lautet "Dumpfi". 


Zwiderwurzen, die

Bayerischer Dialekt. Bezeichnet einen grantigen, mürrischen, unausstehlichen Menschen. Anzutreffen auch außerhalb der bayerischen Landesgrenze.


Gassilant, der

Wortschöpfung anonymer Satiriker. Kursiert vor allem in sozialen Netzwerken. Der Begriff soll den grassierenden Alltagsrassismus verhohnepipeln. Die Anti-Hunde-Propaganda ist gedacht als Anti-Pegida-Propaganda. Nicht jeder hat ein Herz für Satiriker: Tierschützer sehen darin eine Hundediskriminierung.


Krachwedel, der

Im Grimmschen Wörterbuch aufgeführt, von Goethe benutzt. Kraftausdruck für alter schwacher Mann.


Salatist, der

Vegetarier, der Fleischesser von ihrem Fleischkonsum abbringen möchte - wegen der ethisch unkorrekten Massentierhaltung. Früher schimpfte man ihn einen Kohlrabiapostel. Ebenso sendungsbewusst wie diskussionsfreudig. Attention: Der militante Salatist - ein Verwandter des Salafisten - benutzt ungewaschene Salatköpfe als Wurfgeschoss.


Kopfnussdienst, der

Pädagogisch umstrittene Maßnahme, um Schüler zu disziplinieren. Wird nur noch getoppt vom Arschtrittdienst.


rumoxidieren

Bedeutet unter Jugendlichen soviel wie: untätig herumhängen.


Pubertätsrentner, der

Halbwüchsige, die zuviel rauchen und trinken und deshalb eine schwache Kondition haben.


Baumknutscher, der

Früher hieß er Ökofreak, trug Birkenstocksandalen und Jutebeutel und futterte Bircher-Müsli. Heute trägt er ethisch korrekt gestylte Sneakers, streichelt sein Fairphone und isst Tofu-Burger. Auch schön.


Abwasserkanal, der

Grottiger YouTube-Kanal. Oder auch Forum für Selbstdarsteller, die sich mit Selfie-Sticks in schlecht ausgeleuchteten und unaufgeräumten Wohnzimmern in Szene setzen. Das Ergebnis sind oft verwackelte, amateurhafte One-Man- oder One-Woman-Shows. Müll, den die Welt nicht braucht, aber viel klickt. 


Gammelfleischparty, die

Derber Ausdruck für Ü30-Party. Aber es stimmt schon, irgendwann erschlaffen wir alle einmal, auch Teenager mit Babyspeck.


borderlinern

Neudeutscher Pausenhofslang. Beliebt bei rotzfrechen, fett geschminkten Chefproletinnen wie Chantal aus "Fack ju Göhte". Legendär ihr Aufschrei: "Ganz ehrlich, Herr Müller, sind Sie geborderlinert oder was?"